„Das lernt mein Kind doch in der Schule.“ – Warum gute Schulvorbereitung schon vor der Einschulung beginnt
„Machen Sie sich keine Gedanken. Das lernen die Kinder alles in der Schule.“ Viele Eltern hören diesen Satz im letzten Jahr vor der Einschulung – und verlassen sich verständlicherweise darauf. Schließlich besucht das Kind eine Kita und die Grundschule wird doch bei null anfangen. Oder?
Natürlich steckt in dieser Aussage etwas Richtiges: Ein Vorschulkind muss noch kein Erstklässler sein.
Es muss vor der Einschulung weder flüssig lesen noch schriftlich rechnen oder seitenweise Arbeitsblätter bearbeiten. Gute Schulvorbereitung bedeutet ausdrücklich nicht, den Stoff der ersten Klasse einfach einige Monate vorzuziehen.
Doch daraus den Schluss zu ziehen, dass Kinder vor der Einschulung überhaupt keine gezielte Unterstützung benötigen, wäre ebenfalls falsch.
„Die Kita bereitet mein Kind doch auf die Schule vor.“
Ja – und das ist auch eine wichtige Aufgabe der Kita.
Das Berliner Bildungsprogramm umfasst ausdrücklich Bildungsbereiche wie Kommunikation und Sprache, Mathematik, Gesundheit, soziales und kulturelles Leben sowie Natur, Umwelt und Technik. Ziel ist es, Kindern möglichst gute Voraussetzungen für ihren weiteren Bildungsweg mitzugeben.
Trotzdem bedeutet der Besuch einer Kita nicht automatisch, dass jedes einzelne Kind in allen Bereichen genau die Erfahrungen gemacht hat, die es persönlich für einen guten Schulstart benötigt.
Pädagogische Fachkräfte begleiten viele Kinder gleichzeitig – mit unterschiedlichen Entwicklungsständen, Interessen, Stärken und Bedürfnissen.
Manche Kinder beschäftigen sich von selbst intensiv mit Zahlen, Mengen, Buchstaben, Sprache und Rätseln. Andere Kinder meiden genau diese Bereiche. Wieder andere wirken im Kita-Alltag vollkommen unauffällig, haben bestimmte grundlegende Zusammenhänge aber noch nicht sicher verstanden.
„Hat mein Kind eine Kita besucht?“
Sondern:
„Welche Grundlagen hat mein Kind tatsächlich entwickelt?“
Berlin schaut inzwischen selbst genauer auf den Übergang zur Schule
Wie wichtig diese Grundlagen sind, zeigt auch die aktuelle Entwicklung in Berlin.
Im Rahmen des Beobachtungsverfahrens BeoKiz wurden sogenannte „Kompetenzen zum Übergang in die Grundschule“ definiert.
Die Berliner Lerndokumentation umfasst insgesamt 40 Kompetenzen, die für den Übergang in die Grundschule eine besondere Bedeutung haben.
Dazu gehören unter anderem:
- mathematische Fähigkeiten
- sprachliche Kompetenzen
- soziale Fähigkeiten
- emotionale Kompetenzen
- Selbstständigkeit
- lebenspraktische Fähigkeiten
- Grob- und Feinmotorik
Das zeigt sehr deutlich: Ein guter Schulstart hängt eben nicht nur davon ab, ob ein Kind seinen Namen schreiben oder bis 20 zählen kann.
Es geht um ein viel breiteres Fundament.
Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin
Lernen beginnt nicht erst mit der Schultüte
Ein Kind entwickelt sein Verständnis von Zahlen nicht plötzlich am ersten Schultag.
Lange vorher entstehen Vorstellungen darüber, was „drei“, „mehr“, „weniger“, „gleich viel“, „größer“, „kleiner“ oder „dazwischen“ eigentlich bedeuten.
Kinder vergleichen Mengen. Sie sortieren. Sie entdecken Muster. Sie beginnen zu verstehen, dass die Zahl 5 nicht einfach das Symbol „5“ ist, sondern für eine bestimmte Menge steht.
Diese frühen mathematischen Fähigkeiten werden häufig unter dem Begriff Early Numeracy zusammengefasst.
Ihre Bedeutung ist wissenschaftlich gut untersucht. Große Langzeitstudien zeigen, dass mathematische Fähigkeiten beim Schuleintritt spätere schulische Leistungen vorhersagen können.
In einer bekannten Auswertung mehrerer großer Längsschnittstudien gehörten frühe mathematische Fähigkeiten – neben Lesen und Aufmerksamkeit – zu den stärksten Prädiktoren späterer schulischer Leistungen.
Wissenschaftliche Quelle: Duncan et al.: School Readiness and Later Achievement
Ein Kind kann bis 20 zählen – und Zahlen trotzdem noch nicht wirklich verstanden haben
Genau hier entsteht häufig ein Missverständnis.
Eltern fragen ihr Kind: „Wie weit kannst du zählen?“
Das Kind zählt stolz bis 20 oder sogar bis 100.
Das klingt zunächst beruhigend. Aber die Zahlwortreihe aufsagen zu können, ist nur ein kleiner Teil mathematischen Verständnisses.
Viel aussagekräftiger sind beispielsweise Fragen wie:
- Kann das Kind fünf Gegenstände zuverlässig abzählen?
- Kann es kleine Mengen erfassen?
- Versteht es, dass sieben mehr als fünf ist?
- Kann es Mengen vergleichen?
- Kann es sechs Gegenstände auf unterschiedliche Arten aufteilen?
- Erkennt es Muster und Strukturen?
- Versteht es Begriffe wie mehr, weniger, gleich viel, vor, hinter oder zwischen?
- Kann es beschreiben, wie es zu einer Lösung gekommen ist?
Das Entscheidende ist nicht, wie weit ein Kind zählen kann.
Entscheidend ist, ob hinter den Zahlwörtern bereits ein Verständnis für Mengen, Beziehungen und mathematische Strukturen entstanden ist.
Auch Lesen beginnt lange vor dem ersten Lesebuch
Ähnlich verhält es sich mit dem Lesen und Schreiben.
Gute Vorschulförderung bedeutet nicht, einem fünfjährigen Kind das Lesebuch der ersten Klasse vorzulegen.
Vor dem eigentlichen Lesen entwickeln sich wichtige Grundlagen:
- Wörter in Silben gliedern
- Reime erkennen
- Anfangslaute heraushören
- genau zuhören
- Geschichten verstehen und wiedergeben
- den Wortschatz erweitern
- Interesse an Buchstaben und Schrift entwickeln
Auch hier geht es also nicht darum, den Schulstoff möglichst früh abzuarbeiten.
Es geht darum, Voraussetzungen zu schaffen, damit das spätere Lesen- und Schreibenlernen leichter gelingen kann.
Und dann gibt es Fähigkeiten, die auf keinem Arbeitsblatt stehen
Ein Kind kann Zahlen und Buchstaben kennen und trotzdem Schwierigkeiten mit dem Schulstart haben.
Denn Schule stellt plötzlich andere Anforderungen an die Selbststeuerung eines Kindes.
Ein Kind muss beispielsweise lernen:
- einer Erklärung aufmerksam zuzuhören
- eine kurze Anweisung im Gedächtnis zu behalten
- eine Aufgabe zu beginnen und zu Ende zu führen
- Materialien zu organisieren
- abzuwarten
- mit Fehlern umzugehen
- nachzufragen, wenn es etwas nicht verstanden hat
- für eine gewisse Zeit konzentriert zu arbeiten
- zwischen verschiedenen Aufgaben zu wechseln
- bei einer Herausforderung nicht sofort aufzugeben
Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Selbstregulation und Selbstständigkeit entwickeln sich nicht erst am Tag der Einschulung.
Warum die ersten Schulwochen manchmal plötzlich ernüchternd werden
Vor der Einschulung fällt manches kaum auf.
Ein Kind ist fröhlich, fantasievoll, sprachlich geschickt und kommt in seinem bisherigen Alltag gut zurecht.
Dann beginnt die Schule.
Plötzlich sitzt es neben Kindern, die Mengen sehr schnell erfassen, Zahlbeziehungen verstehen, Buchstaben kennen oder Aufgaben scheinbar mühelos umsetzen.
Das eigene Kind braucht deutlich länger.
Und Kinder vergleichen sich.
Irgendwann entsteht möglicherweise der Gedanke:
Genau hier kann sich etwas entwickeln, das wesentlich problematischer ist als eine einzelne nicht verstandene Rechenaufgabe:
Unsicherheit.
Aus Unsicherheit kann Vermeidung werden.
Und aus Vermeidung entstehen Sätze wie:
- „Mathe kann ich nicht.“
- „Lesen ist doof.“
- „Ich bin einfach schlecht in der Schule.“
Dabei fehlt dem Kind möglicherweise überhaupt nicht die Fähigkeit zu lernen.
Vielleicht fehlen lediglich einige Grundlagen, auf denen die neuen schulischen Inhalte aufbauen.
„Aber die Lehrerin fängt doch bei null an.“
Natürlich führt eine gute Lehrkraft neue Inhalte ein.
Doch „bei null anfangen“ bedeutet nicht, dass alle Kinder mit denselben Voraussetzungen in der ersten Klasse sitzen.
In einer Schulklasse treffen sehr unterschiedliche Entwicklungsstände aufeinander.
Ein Kind zählt Gegenstände noch unsicher ab. Ein anderes löst bereits erste Aufgaben im Kopf.
Ein Kind kennt fast alle Buchstaben. Ein anderes interessiert sich bisher kaum für Schrift.
Ein Kind kann sich lange mit einer Aufgabe beschäftigen. Ein anderes benötigt wesentlich mehr Begleitung und Bewegung.
Lehrkräfte berücksichtigen diese Unterschiede so gut wie möglich.
Aber daraus folgt nicht, dass gute Grundlagen vor der Einschulung unwichtig wären.
Neues lässt sich leichter lernen, wenn ein Kind es mit etwas verbinden kann, das es bereits verstanden hat.
Vorschulförderung darf trotzdem keinen Leistungsdruck erzeugen
Hier ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig.
Kinder brauchen vor der Schule keine Mini-Schule.
Ein fünfjähriges Kind sollte nicht täglich stundenlang Arbeitsblätter bearbeiten. Es sollte nicht das Gefühl bekommen, bereits vor der Einschulung Leistung erbringen zu müssen.
Gute Förderung in diesem Alter sieht anders aus.
Kinder lernen, indem sie:
- spielen
- entdecken
- ausprobieren
- bauen
- sortieren
- zählen
- erzählen
- sich bewegen
- Fragen stellen
- Fehler machen dürfen
- Zusammenhänge entdecken
- Erfolgserlebnisse sammeln
Genau deshalb kann gute Vorschulförderung gleichzeitig spielerisch, kindgerecht und anspruchsvoll sein.
Was gute Schulvorbereitung wirklich stärken sollte
Die entscheidende Frage lautet also nicht:
Viel wichtiger ist:
Dazu gehören beispielsweise:
- ein tragfähiges Mengen- und Zahlverständnis
- mathematische Begriffe und Denkweisen
- Muster und Strukturen erkennen
- erste anschauliche Erfahrungen mit Addition und Subtraktion
- phonologische Bewusstheit
- Wortschatz und sprachliches Ausdrucksvermögen
- Feinmotorik
- Konzentration
- Arbeitsgedächtnis
- Selbstständigkeit
- Problemlösefähigkeit
- Frustrationstoleranz
Und vielleicht am wichtigsten:
Wir wollen Kinder nicht darauf vorbereiten, schon alles zu können.
Wir wollen sie darauf vorbereiten, lernen zu können.
Braucht deshalb jedes Kind einen Vorschulkurs?
Nein.
Auch das gehört zu einer ehrlichen Beratung.
Manche Kinder bringen bereits sehr viele dieser Erfahrungen aus ihrem Alltag mit. Sie bauen, zählen, spielen Brettspiele, hören Geschichten, basteln, helfen beim Kochen, interessieren sich für Zahlen und Buchstaben und stellen ständig Fragen.
Andere Kinder profitieren stärker von zusätzlichen, strukturierten und gezielten Lerngelegenheiten.
Deshalb sollte es nicht darum gehen, Eltern Angst vor der Einschulung zu machen.
Viel hilfreicher ist eine ehrliche Frage:
Wer darauf guten Gewissens mit Ja antworten kann, muss nicht zwangsläufig ein zusätzliches Angebot buchen.
Wer jedoch merkt, dass Zahlen, Mengen, Sprache, Konzentration oder bestimmte Lernaufgaben bislang wenig Raum hatten oder dem eigenen Kind noch schwerfallen, sollte nicht darauf vertrauen, dass sich alles automatisch mit dem ersten Schultag lösen wird.
„Hätte ich doch vor der Einschulung etwas gemacht …“
Diesen Gedanken möchten Eltern verständlicherweise vermeiden.
Nicht, weil ihr Kind bei der Einschulung schon möglichst weit voraus sein soll.
Sondern weil gerade die ersten Erfahrungen in der Schule etwas sehr Wichtiges mitprägen:
das Bild, das ein Kind von sich selbst als Lernender entwickelt.
Ein Kind, das erlebt:
- „Ich verstehe Zusammenhänge.“
- „Ich kann mir etwas erschließen.“
- „Ich darf Fehler machen.“
- „Ich kann dranbleiben.“
- „Ich kann etwas lernen, auch wenn es zuerst schwierig ist.“
startet mit einer anderen inneren Haltung als ein Kind, das bereits nach wenigen Schulwochen denkt:
„Ich bin langsamer als die anderen.“
Deshalb ist die Zeit vor der Einschulung so wertvoll.
Nicht, um die erste Klasse vorzuverlegen.
Sondern um ein Fundament zu schaffen, auf dem das Kind in der ersten Klasse weiterbauen kann.
Unser Vorschulclub bei Kleines Genie Berlin-Neukölln
Genau an diesem Gedanken setzt unser Vorschulclub an.
Wir möchten Kinder nicht früher verschulen, sondern ihnen spielerisch wichtige Erfahrungen ermöglichen, die ihnen später beim Lernen helfen.
Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Mathematik ein.
Mit anschaulichen Materialien, Mengen, Zahlen, Formen, Mustern und kleinen mathematischen Herausforderungen entwickeln Kinder ein Verständnis dafür, was Zahlen eigentlich bedeuten, anstatt lediglich Zahlenfolgen auswendig zu lernen.
Daneben stärken wir unter anderem:
- Sprache und phonologische Bewusstheit
- Konzentration und Aufmerksamkeit
- Wahrnehmung
- Feinmotorik
- logisches Denken
- Selbstständigkeit
- Problemlösefähigkeit
- Freude am Lernen
Dabei geht es nicht darum, welches Kind am schnellsten ist.
Kinder dürfen ausprobieren, fragen, entdecken und Fehler machen.
Was bedeutet gute Schulvorbereitung für uns?
Nicht: „Mein Kind kann schon möglichst viel Stoff aus der ersten Klasse.“
Sondern: „Mein Kind geht neugierig, selbstbewusst und mit guten Grundlagen in die Schule.“
Ihr Kind wird bald eingeschult?
Dann schauen Sie nicht erst kurz vor der Einschulung darauf, welche Grundlagen bereits sicher sind und wo Ihr Kind noch Unterstützung gebrauchen könnte.
Lernen Sie unseren Vorschulclub bei Kleines Genie Berlin-Neukölln kennen und erleben Sie, wie spielerische und gezielte Schulvorbereitung aussehen kann.
Probestunde buchenFazit: Kinder müssen vor der Schule nicht alles können – aber sie dürfen gut vorbereitet sein
Der Satz „Das lernt Ihr Kind später in der Schule“ ist nicht falsch.
Aber er greift zu kurz, wenn daraus entsteht: „Vor der Schule müssen wir deshalb gar nichts tun.“
Kinder brauchen keine vorgezogene erste Klasse.
Sie brauchen Erfahrungen, die ihnen helfen, Zahlen zu verstehen, Sprache bewusst wahrzunehmen, aufmerksam zu arbeiten, Herausforderungen anzunehmen und Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit zu entwickeln.
Denn der schönste Start in die Schule ist nicht:
„Ich kann schon alles.“
Sondern: